Blog zum Perspektivenwechsel

14.01.2018

Zuhören - eine vergessene Kunst?

Die Natur ist wirklich weise. Sie hat den Menschen mit zwei Ohren und nur einem Mund ausgestattet. Sollte das bedeuten, dass der Mensch doppelt soviel hinhören wie reden sollte? Zuhören erscheint deutlich anspruchsvoller als Reden. Neurowissenschaftliche Studien der Harvard University haben gezeigt, dass Reden - vor allem über sich selbst - die gleichen Hirnareale wie Nahrung, Geld und Sex aktiviert. Sprechen befriedigt also existenziell und belebt entsprechend. Zuhören dagegen ist harte Arbeit. Es ermüdet, aufmerksam zu bleiben und so am Gelingen des Gesprächs mitzuwirken. Wenn ich einen anderen Menschen wirklich verstehen will, wenn ich bereit bin, in seine Welt einzutreten, ohne dabei zu versuchen, Werturteile zu fällen, könnte ein Schritt zu gelingender Kommunikation sein. Zuhören verlangt, ein sich einlassen auf das, was zu hören ist, was gespielt und gesagt wird, und es verlangt, das Gehörte gedanklich mit nachzuvollziehen. Mir geht es gelegentlich so, dass ich mich im Zuhören ertappe, wie ich gedanklich total woanders bin: ich muß heute noch dies und jenes. Aktive Zuhörer stellen ihren inneren Monolog ab, achten auf Tonlagen, Körpersprache und Wortwahl. Sie stellen Fragen, die ihnen helfen, ihr Gegenüber wirklich zu verstehen. Aktive Zuhörer behalten Informationen und deren Bedeutung oft sehr lange und nutzen dieses Wissen, um die Kommunikationswege offenzuhalten. Wer ein besserer Zuhörer werden will, muss also einen Prozess durchlaufen, der  vergleichbar mit einer Ernährungsumstellung oder dem Umstieg auf einen sportlichen Lebensstil ist. 

„Zuhören ist Hören in Verbindung mit Denken und Konzentration“

Daniel Barenboim


Über den Autor

Meine wichtigsten Charakterzüge:
Empathie, Authentizität, Verlässlichkeit, Wertschätzung und Offenheit für alles Neue.

Meiner Arbeit als Coach liegt das Selbstverständnis zugrunde, dass der Mensch mit allen wichtigen Fähigkeiten ausgestattet ist, man muß sie nur aktivieren.

Reutlingen – Stuttgart – München