Blog zum Perspektivenwechsel

14.12.2016

Loslassen – warum das Festhalten an Gewohnheiten?

Eine Gruppe von Feuerwehrleuten kämpft tagelang gegen große Buschfeuer in Colorado. Mit schwerem Gerät in unzugänglicher Landschaft versuchen sie eine Schneise zu schlagen. Eine Windböe fegte plötzlich über die Männer hinweg – augenblicklich waren sie von einer lodernden Flammenwand umgeben. Den erfahrenen Feuerwehrleuten war ihre Lage sofort klar: Sie mussten sich schnellstens zum Waldrand zurückziehen – ein Wettlauf mit der Zeit begann.

Einige der Männer verloren den Wettlauf und kamen ums Leben. Eine Untersuchung dieses Unglücks ergab: Die Männer waren schwer bepackt mit ihrer Ausrüstung und Gerätschaften. Dadurch wurden sie behindert und verlangsamte ihre Flucht.

Warum haben sie ihre Geräte ihren Ballast nicht abgeworfen? Was ging im Kopf der Verunglückten vor?

Karl Weick, emeritierter Professor für Organisationspsychologie an der University of Michigan schrieb über die Hintergründe dieses Unglücksfalls:

„Werkzeuge sind für Feuerwehrmänner identitätsstiftend – bilden sozusagen eine Einheit. Die Angst vor dem Wegwerfen war somit auch die Angst vor dem Verlust der eigenen Identität.

Feuerwehrleute lernen in der Ausbildung, dass sie auf ihre Ausrüstung achten sollten. Sie einfach liegen zu lassen widerspricht einem Grundprinzip. Die Feuerwehrleute hatten keine Übung im Loslassen. Sie hatten das Wegwerfen von Unbrauchbarem niemals vorher geprobt.“

Die tragische Geschichte ist eine aussagekräftige Allegorie.  Ob in der Wirtschaft oder im Privaten  ist es immer wieder notwendig , Verhalten und Routinen zu ändern, um nicht im Abseits zu landen. Dazu sollten Menschen gelegentlich Vertrautes und Gewohntes aufgeben und loslassen. Loslassen was früher mal funktioniert hat und uns Sicherheit gegeben hat.  Vielleicht Geschäftsmodelle oder Führungsstile.

Viele schaffen das nicht – aus den gleichen Gründen wie die Feuerwehrleute in Colorado.

Wer sich für Neues öffnen will, ob privat oder beruflich, muss sich fragen: Was könnte ich loslassen, welchen Ballast könnte ich abwerfen – bevor ich vom Feuer eingeschlossen werde.

Über den Autor

Meine wichtigsten Charakterzüge:
Empathie, Authentizität, Verlässlichkeit, Wertschätzung und Offenheit für alles Neue.

Meiner Arbeit als Coach liegt das Selbstverständnis zugrunde, dass der Mensch mit allen wichtigen Fähigkeiten ausgestattet ist, man muß sie nur aktivieren.

Reutlingen – Stuttgart – München