Blog zum Perspektivenwechsel

29.04.2016

Optimierungswahn mit Viagra

Der Sexualwissenschaftler Christoph Joseph Ahlers berichtet in seinem neuesten Buch, Himmel auf Erden Hölle im Kopf, dass immer mehr kerngesunde junge Männer, vor ihrem ersten Sex-Date sich Viagra besorgen, um „auf Nummer sicher zu gehen“. 

Ein Beispiel, wie Optimierungswahn und Leistungsdruck  zunehmend grassieren - auch beim Sex. Perfektionismus scheint zum Mantra unserer Zeit geworden. Alle optimieren sich, um der Durchschnittlichkeit zu entkommen. Es geht darum, optimale Körpermaße, bessere Jobs und schlauere Kinder - zu haben. Der Einzelne droht sich in den Paradoxien der Perfektionierung zu verheddern, wenn er versucht, allen möglichen Ansprüchen gerecht zu werden, mit dem Ergebnis, dass er nichts richtig kann. Vermutlich war der Druck nie so hoch wie heute, gut auszusehen – Schönheit ist möglicherweise das Tor zum besseren Leben.  Eine Studie zeigt, dass schöne Menschen bessere Jobs bekommen. Es scheint, dass der Optimierungswahn zu einer Art Sucht nach dem Unmöglichen geworden ist. Man versucht sich ständig mit dem Blick der anderen zu betrachten. Zunehmend werden leistungssteigernde Psychopharmaka konsumiert, damit im Beruf und in der Ausbildung noch bessere Ergebnisse erzielt werden können. „Happy Pills“ - auch Neuro-Enhancement genannt – Pillen die konzentrierter und leistungsfördernder machen, kommen als Hirndoping zum Einsatz. Der selbst auferlegte Zwang das Perfekte verkörpern zu müssen ist allgegenwärtig. Der eigene Perfektionismus wird trainiert wie ein Muskel. Die Angst zu verlieren, zu versagen, nicht mehr zu den Siegern zu gehören, nicht mehr dem Leitbild einer Gesellschaft zu genügen, ist überall sichtbar.


Doch wie kann ich der Optimierungsfalle entkommen? Vielleicht durch eine Tugend, die in unserer Zeit eher unterentwickelt ist: Mut. Mut zu entwickeln sich aus dem Optimierungskorsett zu befreien – sein eigenes Ding machen. Weniger nach links und rechts schauen, kritisch zu reflektieren. Menschen mit Mut, Stärke und Selbstwertgefühl lassen sich schwer verführen, weil sie mit sich im Reinen sind. Der lähmenden Gleichheit kann man mit Individualität begegnen. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, ist der beste Weg, der Optimierungsfalle zu entkommen. Gut zu sein ist manchmal besser als perfekt.


Über den Autor

Meine wichtigsten Charakterzüge:
Empathie, Authentizität, Verlässlichkeit, Wertschätzung und Offenheit für alles Neue.

Meiner Arbeit als Coach liegt das Selbstverständnis zugrunde, dass der Mensch mit allen wichtigen Fähigkeiten ausgestattet ist, man muß sie nur aktivieren.

Reutlingen – Stuttgart – München