Blog zum Perspektivenwechsel

07.09.2016

Ärztestreik versus Eigenverantwortung

Professor Milton Roemer von der Universität Los Angeles machte in den 70iger Jahren eine interessante Untersuchung zu den Folgen von Ärztestreiks. Solche fanden z.B. 1973 in Israel, in Bogota/Kolumbien und 1976 in Los Angeles statt. Während des Ärztestreiks in Israel gingen die Zahlen der Todesfälle um 50 Prozent zurück.

Die Beerdigungsunternehmen fürchteten bereits um ihre Existenzen. In Bogota waren es 35 Prozent, in Los Angeles gab es 18 Prozent weniger Todesfälle. Prof. Roemer stellte u.a. fest, dass es während der Streiks 60 Prozent weniger Operationen gegeben hatte. Weniger Operationen gleich weniger Tote? Da ich medizinisch eher unwissend bin, kann ich das eben nicht beurteilen, doch meine Gedanken mache ich mir. Was passierte mit den Patienten während des Ärztestreiks?  Sie wussten, sie sind sich selbst überlassen – sie haben plötzlich Eigenverantwortung  für das eigene Wohlergehen, Selbstverantwortung für das Leben übernommen. Könnte es sein, dass Sie und ich den wahrgenommenen Grenzen der eigenen Kompetenz viel öfter und fundmentaler misstrauen sollten? Gut gepolsterte Sicherheitssysteme, wie wir sie in Deutschland haben, können Bürger dazu verleiten, jegliche Eigenverantwortung aufzugeben. In allen Lebensbereichen können wir heute das Fehlen von Selbstverantwortung beobachten. Die Chefredakteurin der Wirtschaftswoche Miriam Meckel meint dazu: "Bürger in Deutschland zu sein ist wie betreutes Wohnen. Wir scheinen auf dem Niveau von Kleinkindern unterwegs zu sein...vieles wird uns abgenommen, manches auch aus der Hand, obwohl wir es in selbiger behalten wollen." In Unternehmen, in der Politik, im Privaten – überall begegnet uns die fehlende Selbstverantwortung. Zu gerne sind wir bereit, anderen die Schuld für eigene Fehler und Schwächen zu geben. Wir schieben die Schuld auf die Wirtschaftslage und auf die Situation, in der wir leben, auf unseren Lebenspartner, auf unsere Firma, unsere Gesundheit, unseren Chef. Haben Sie nicht auch schon die folgenden Sätze gehört: "Wenn das nicht passiert wäre, dann könnte ich..." "Wenn ich doch mehr Zeit/mehr Geld hätte, dann..." Diese Sätze haben alle eines gemeinsam. Sie suchen die Schuld außerhalb der eigenen Person. Wer anderen die Schuld gibt, der gibt ihnen auch die Macht. Letztendlich sind wir nicht nur verantwortlich, für das was wir tun, sondern auch für das , was wir nicht tun.


Über den Autor

Meine wichtigsten Charakterzüge:
Empathie, Authentizität, Verlässlichkeit, Wertschätzung und Offenheit für alles Neue.

Meiner Arbeit als Coach liegt das Selbstverständnis zugrunde, dass der Mensch mit allen wichtigen Fähigkeiten ausgestattet ist, man muß sie nur aktivieren.

Reutlingen – Stuttgart – München