Blog zum Perspektivenwechsel

29.12.2015

Ballast abwerfen

Um ihre Atlantiküberquerung mit einem Ballon im August  1978 erfolgreich abzuschließen, musste die Mannschaft des Double Eagle II am Ende der Mission ihre Kleidung, ihre Kameras, ja sogar ihre Pässe abwerfen, um den letzten passenden Luftstrom in Richtung Frankreich zu erreichen.
Für jede neue Flughöhe im Leben, müssen wir möglicherweise nicht etwas Neues erlangen, sondern uns von etwas Altem trennen. Etwa ein wenig von dem loslassen, was wir besitzen und mit uns herumschleppen – Ballast abwerfen. Würden wir einmal  ein Inventar unseres alltäglichen Lebens anfertigen, was fänden wir unter dem Wort „Ballast“?

Sicherheit, Angewohnheiten, Vorurteile, Überzeugungen, Gedanken, Glaubenssätze, Kontrollzwang, Ängste? Sind nicht unsere irrationalen Ängste vor dem Ungewissen die Wurzel vieler unserer Leiden? Sind solche Ängste nicht gelegentlich wie ein Korsett, das uns einschnürt und beherrscht? Klammern wir uns nicht gar zu gerne an festgefahrene Muster, wenn uns eine Krise aus dem Gleichgewicht bringt? Wie sehr versuchen wir, uns an unseren alten Fixpunkten festzuhalten? Wie wollen wir denn ein neues Resultat herbeiführen, wenn wir uns immer nur so wie früher verhalten? Vielleicht sollten wir lernen, Ballast abzuwerfen, über Bord zu werfen, was uns schwerer macht und uns in alten Verhaltensweisen und Denkweisen gefangen hält.
An vielen Beispielen lässt sich beobachten, dass Kreativität und Innovation nicht innerhalb von alten, erstarrten Systemen entsteht, um etwas neues zu erfinden: Es ist z.B. nicht der Flugzeugindustrie gelungen ein Solarflugzeug zu bauen, das Tag und Nacht rund um den Globus fliegen kann, sondern einem Psychiater und Facharzt: dem Schweizer Bertrand Piccard: "Ballast abzuwerfen ist eine praktische Übung, die wir im Alltag gut gebrauchen können, wenn wir die Richtung unserer Existenz verändern möchten. Im Ballon erkannte ich, dass unsere Angst vor Unbekanntem die Ursache der meisten Leiden ist. Und, dass unser Wunsch, immer alles unter Kontrolle zu haben, uns die Geschenke des Lebens oft verpassen läßt. Das Leben ist wie eine Ballonfahrt, sehr oft gehen wir in eine Richtung, die wir nicht wollen. Wir verlieren die Kontrolle, es gibt Bruchstellen und Krisen. Um diese zu meistern müssen wir Ballast abwerfen und die Flughöhe verändern. Ballast im Leben kann heißen: Gewissheit, Sicherheit, Dogma. Das Festhalten an diesen Dingen schwächt uns."

 

Über den Autor

Meine wichtigsten Charakterzüge:
Empathie, Authentizität, Verlässlichkeit, Wertschätzung und Offenheit für alles Neue.

Meiner Arbeit als Coach liegt das Selbstverständnis zugrunde, dass der Mensch mit allen wichtigen Fähigkeiten ausgestattet ist, man muß sie nur aktivieren.

Reutlingen – Stuttgart – München