Blog zum Perspektivenwechsel

16.12.2015

Die Gefallenfalle – anderen gefallen

Das zwanghafte Bemühen, anderen zu gefallen, ist eine weit verbreitete, alltägliche Erscheinung. Woher kommt der unstillbare Wunsch, allen gefallen zu wollen? Wie können wir mit – unserer Partnerin/Partner, unseren Arbeitskollegen, unseren Freunden – verbunden bleiben und trotzdem noch in der Lage sein, eine eigene, differenzierte Meinung zu haben? Oder ist das Leben nur eine Sammlung von To-do-Listen, auf denen die Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen anderer Menschen stehen?

Wenn Sie versuchen, es immer allen recht machen zu wollen, dann geht es Ihnen vielleicht wie dem Vater mit seinem Sohn und dem Esel - in der bekannten Fabel von Aesop:
Ein Vater zog mit seinem Sohn und einem Esel in der Mittagshitze durch die staubigen Gassen. Der Sohn führte und der Vater saß auf dem Esel.
Der arme kleine Junge”, sagte ein vorbeigehender Mann. “Seine kurzen Beine versuchen, mit dem Tempo des Esels Schritt zu halten. Wie kann man nur so faul auf dem Esel sitzen, wenn man sieht, dass das Kind sich müde läuft?”
Der Vater nahm sich dies zu Herzen, stieg hinter der nächsten Ecke ab und ließ den Jungen aufsitzen.
Es dauerte nicht lange, da erhob schon wieder ein Vorübergehender seine Stimme: “So eine Unverschämtheit! Sitzt doch der kleine Bengel wie ein König auf dem Esel, während sein armer, alter Vater nebenherläuft.” Dies tat nun dem Jungen leid und er bat seinen Vater, sich mit ihm auf den Esel zu setzen.
“Ja, gibt es sowas?”, sagte eine alte Frau. “So eine Tierquälerei! Dem armen Esel hängt der Rücken durch und der junge und der alte Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus. Der arme Esel!”
Vater und Sohn sahen sich an, stiegen beide vom Esel herunter und gingen neben dem Esel her. Dann begegnete ihnen ein Mann, der sich über sie lustig machte: “Wie kann man bloß so dumm sein? Wofür hat man einen Esel, wenn er einen nicht tragen kann?”
Der Vater gab dem Esel zu trinken und legte dann die Hand auf die Schulter seines Sohnes. “Egal, was wir machen”, sagte er, “es gibt immer jemanden, der damit nicht einverstanden ist. Ab jetzt tun wir das, was wir selber für richtig halten!”

Hören wir auf, anderen um jeden Preis gefallen zu wollen, machen wir uns vom Urteil anderer unabhängig - wenigstens ein bisschen. Erlauben wir es uns, den Erwartungen anderer auch mal nicht zu entsprechen. Und tun wir ab und zu etwas Unerwartetes, etwas, das ganz und gar nicht zu unserem Image passt. Sie werden sehen: Es befreit ungmein!

 

Über den Autor

Meine wichtigsten Charakterzüge:
Empathie, Authentizität, Verlässlichkeit, Wertschätzung und Offenheit für alles Neue.

Meiner Arbeit als Coach liegt das Selbstverständnis zugrunde, dass der Mensch mit allen wichtigen Fähigkeiten ausgestattet ist, man muß sie nur aktivieren.

Reutlingen – Stuttgart – München