Blog zum Perspektivenwechsel

17.08.2015

Intuition – gefühltes Wissen

In Wimbledon findet alljährlich das bedeutenste und gewinnträchtigste Tennisturnier der Welt statt.  In mehreren Studien wollte man herausfinden, wie hoch die Trefferquote ist, die den Ausgang der 127 Spiele vorhersagen. Zwei Gruppen wurden vorab befragt: Amateurspieler, die von der Mehrzahl der teilnehmenden Spieler nie gehört haben. Die zweite Gruppierung waren Wimbledon-Tennisexperten, die alle vorhandenen Faktoren mit reingerechnet haben (z.B. Grasfaktor). Das Ergebnis: Von den Wimbledon-Experten sagten 64% den Ausgang Spiele richtig voraus. Die „Unwissenden“ Amateurspieler kamen auf 72%.

In einer anderen schwedischen Studie sollten Laien die Erfolgsquote zweier Aktien bewerten. Die Erfolgsquote der Laien lag bei 50%, bei den Finanzberatern bei 40 Prozent. Wie kann es sein, dass man mit weniger Wissen mehr richtige Antworten bekommt? Die Antwort lautet:  Intuition.  Die Neurobiologie kann dies bis heute nicht erklären.  Die meisten Teile unseres Gehirns sind unbewusst d.h. wir wissen nicht wie die Zusammenhänge funktionieren. Das rationale Denken ist nach wie vor das Fundament unserer Kultur. Doch dieses Weltbild beginnt kräftig zu bröckeln. In allen Lebensbereichen gewinnt Intuition eine größere Bedeutung, selbst da, wo man es noch kaum vermuten würde: In der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Medizin und der Politik. Möglicherweise ist in der modernen Welt unser Verstand, unser rationales Denken allein überfordert.

Gerd Gigerenzer der Leiter des Berliner Max Plank Instituts hat dazu selbst zahlreiche solcher Studien in anderen Themenbereichen durchgeführt. Er kommt immer wieder zu dem Ergebnis: Intuitive Prinzipien können möglicherweise erfolgreicher sein als langwieriges überlegen.

Unsere Gesellschaft hat Vorurteile gegen intuitive Entscheidungen. In der Wirtschaft, in der Politik, in der Medizin – es existieren  massive Ängste, intuitive Entscheidungen zu treffen. Vieles von diesem unbewussten Wissen wird in unserer anonymen Gesellschaft auf die Seite geschoben, verdeckt – weil man denkt das ist nichts richtiges. Lieber vertrauen wir oft blind, komplizierten Berechnungen, Zahlen oder Einflüssen von außen. Möglicherweise kann manchmal wenig zu wissen eher zum Erfolg führen, wenn man das richtige Gespür hat – eben gefühltes Wissen. Deshalb kommen uns die guten Ideen immer zuerst.


Über den Autor

Meine wichtigsten Charakterzüge:
Empathie, Authentizität, Verlässlichkeit, Wertschätzung und Offenheit für alles Neue.

Meiner Arbeit als Coach liegt das Selbstverständnis zugrunde, dass der Mensch mit allen wichtigen Fähigkeiten ausgestattet ist, man muß sie nur aktivieren.

Reutlingen – Stuttgart – München