Blog zum Perspektivenwechsel

16.07.2015

Wahrnehmungen – des Don Juan

Drei Männer unternehmen eine Bergwanderung. Der eine ist Architekt. Der Zweite ist Maler und der Dritte ist ein Don Juan – ein Frauenverführer. Der Architekt sieht nur Gebäude, die sie sich in die Landschaft schmiegen, alte Scheunen und historische Bergbauernhöfe, die er interessant findet. Der Maler sieht Farben und Farbkombinationen, Licht und Schatten. Don Juan – der Frauenverführer sieht nur Damen, die ihm unterwegs begegnen - die er genüßlich "abscannt". Oben im Bergrestaurant angekommen – beim Cafe – reden sie über den Weg, den sie grade gegangen sind.

Der Architekt  schwärmt  von alten Bauernhäuser, die der Maler in unterschiedlicher Farbgebung auch gesehen hat.  Don Juan – der Frauenverführer  hat unterwegs nur Damen gesehen, rauf und runter gehend. Der Maler hat ein paar von denen gesehen, weil er die eine oder andere vielleicht malen würde. Der Architekt und der Frauenverführer sind jedoch so weit auseinander, dass sie in unterschiedlichen Welten zu leben scheinen. Die drei Herren sehen unterschiedliche Dinge in der Welt. Jeder hat sein eigenes Bild von der Wirklichkeit.
Jeder von uns lebt in seiner eigenen Welt, hat seine eigene Wahrnehmung. Vergleichbar mit einer Insel, die wir uns seit Kindheit selbst erschaffen haben. Möglicherweise  glauben wir manchmal, dass der andere auf derselben Insel leben müsste wie wir, doch das täuscht. Jeder lebt auf seiner eigenen Insel.  Jeder kommuniziert gerne auf der Grundlage seiner eigenen Bilder. Diese Sichtweise behindert oder verhindert gute Kommunikation. Zu beobachten in Beziehungen oder in der Politik: die Beteiligten machen Einwürfe – aber keiner spielt mit den eingeworfenen Bällen – es findet kein Miteinander – kein wirklicher Austausch statt. Man könnte es auch als Wahrnehmungsabwehr bezeichnen. Die Betroffenen weigern sich, Informationen wahrzunehmen, die ihr Weltbild infrage stellen würde. Dies geschieht eher aus Angst, als aus Selbstgefälligkeit. Wenn ihr Weltbild ins Wanken gerät, wanken sie selbst. Die Kunst einer sinnstiftenden Kommunikation besteht darin, Überschneidungen zu schaffen, Brücken zu bauen zwischen den Inseln. Bestimmt  macht es auch Sinn, gelegentlich an den Wahrnehmungsfiltern zu arbeiten, um vielleicht die Fähigkeit zu erwerben, eigene sowie fremde Gefühle und Wahrnehmungen besser einzuschätzen – oder wie es der Dalai Lama auf den Punkt bringt: „Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz.“

 

Über den Autor

Meine wichtigsten Charakterzüge:
Empathie, Authentizität, Verlässlichkeit, Wertschätzung und Offenheit für alles Neue.

Meiner Arbeit als Coach liegt das Selbstverständnis zugrunde, dass der Mensch mit allen wichtigen Fähigkeiten ausgestattet ist, man muß sie nur aktivieren.

Reutlingen – Stuttgart – München