Blog zum Perspektivenwechsel

03.06.2015

Einfach mal die Klappe halten

„Wenn ich meinen Mund nicht geöffnet hätte, dann wäre ich jetzt nicht hier“, auf einem Pappschild neben dem frischen Zander in der Auslage eines Fischhändlers. Ein schönes Bild, das mir kürzlich begegnet ist. Ab und zu ist es einfach angebracht, die Klappe zu halten. Allerdings, wer schweigt ist verdächtig, weil er den sozialen Verhaltenskodex unterläuft. Im Zeitalter des umfassenden Mediengeplappers, der allwissenden Ratgeberliteratur oder der einschläfernden TV Magazine werden wir täglich von Wichtigkeiten und Wahrheiten überrollt. Offenbar leben wir in einer Sprechblasenzeit. Möglicherweise haben wir verlernt, sparsamer mit unseren Worten umzugehen. Für jedes Problem haben wir Lösungen parat. Wir haben die Welt im Griff, wir können alles erklären. Wir neigen gerne dazu, fertige Antworten zu geben. Aber Antworten verschließen die Türen. Wohingegen Fragen Türen öffnen können, und offene Türen stellen Verbindungen her zwischen Menschen.

Wenn Sie das nächste Mal gefragt werden: „Wie soll ich...?“ antworten sie doch einfach mal mit der Gegenfrage: „Wie würden Sie es machen?“ – oder sagen sie einfach: „Ich weiß es nicht.“

In Meetings ist das Geplapper-Phänomen deutlich zu beobachten, dass jemand redet und redet um den eigenen Standpunkt zu erläutern, zu überzeugen und durchzudrücken. Vielleicht wäre die – Einfach-Klappe-halten-Methode - manchmal zielführender. Möglicherweise ist es angebracht, sokratische Fragen zu stellen, anstatt inhaltsleere Antworten zu geben.

Denn: Fragensteller können Weichensteller sein. Oder gelegentlich schweigend in sich hineinhören. Oder die Dosierung ändern und Schweigen - bewusst als wirkungsvolles Mittel der Rede einsetzen. Paul Watzlawick sagte einst: „Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren.“


Über den Autor

Meine wichtigsten Charakterzüge:
Empathie, Authentizität, Verlässlichkeit, Wertschätzung und Offenheit für alles Neue.

Meiner Arbeit als Coach liegt das Selbstverständnis zugrunde, dass der Mensch mit allen wichtigen Fähigkeiten ausgestattet ist, man muß sie nur aktivieren.

Reutlingen – Stuttgart – München