Blog zum Perspektivenwechsel

17.05.2015

„Ich bin ein Feminist“ – Andy Murray

Der Weltranglistendritte im Tennis Andy Murray, versetzte die Sport- und Medienwelt mit seiner Entscheidung, sich von einem weiblichen Coach betreuen zu lassen – der Französin Amelie Mauresmo (frühere Nummer eins der Welt) – in große Aufruhr. Für Murray nichts besonderes: „Die meisten Coaches sind besser im Reden als im Zuhören. Es ist eine besondere Qualität, wenn dir ein Coach zuhören kann, wie es dir geht, auf dem Platz, abseits des Platzes, wie du die Dinge siehst. Wenn er seine Arbeit auf deinen Gedanken aufbaut, nicht auf seinen. Das ist schwierig, das ist wichtig, und Amelie ist extrem gut darin.“ Als Weltklassespieler hatte der Schotte Murray natürlich reichhaltige Erfahrung mit männlichen Coaches gesammelt: „Im Profi-Tennis verbringst du viel Zeit mit deinem Team. Wenn fünf Männer an einem Tisch sitzen, ist das immer ein bisschen Wettkampf. Es wurde irgendwann immer mühsamer für mich, dieses Macho-Getue beim Training. Testosteron ist ab einer gewissen Konzentration schwer genießbar.“

Die mutigen Aussagen von Murray könnten ein Signal für eine spannende Entwicklung sein, die uns auch abseits des Sports bevorsteht. Das männliche Hierarchiemodell, das Jahrhunderte gut funktioniert hat, scheint in der Krise, weil das Denkmuster, mit dem es entwickelt wurde, nicht mehr funktioniert. Unternehmen, Staaten, Behörden, Institutionen und Verbände lassen sich nicht mehr beherrschen, nicht mehr kontrollieren, nicht mehr führen. Das könnte bedeuten, dass die Beziehungsebene, das Beziehungsdenken - das männlich geprägte Hierarchiedenken ablösen wird. Die Gespräche auf der Beziehungsebene werden mehr, auch in Unternehmen, wenn sie erfolgreich bleiben wollen. Zwar wird die Gegenwart immer noch von einer Kommando-Kontrolle-Kultur geprägt, doch einige erfolgreiche Unternehmen haben diese Umgestaltung des Systems, die Änderung des inneren Schaltplans bereits erkannt – vielleicht ein „Evolutionssprung“ wie es der Ökonom und Philosoph Wolfgang Berger beschreibt.

 

Über den Autor

Meine wichtigsten Charakterzüge:
Empathie, Authentizität, Verlässlichkeit, Wertschätzung und Offenheit für alles Neue.

Meiner Arbeit als Coach liegt das Selbstverständnis zugrunde, dass der Mensch mit allen wichtigen Fähigkeiten ausgestattet ist, man muß sie nur aktivieren.

Reutlingen – Stuttgart – München