Blog zum Perspektivenwechsel

08.05.2015

In Balance – das nervt

Alles in Balance: das Leben, die Beziehung, der Sex, das Kind, der Körper, die Ernährung, der Darm, der Job. Über 6 Tausend Buchtitel beschäftigen sich mittlerweile mit Balance. Wenn Sie alles befolgen, was in der Ratgeberliteratur geschrieben steht, wäre das Leben ....wowwh...alles wäre in Balance, alles perfekt. Möglicherweise ist es nicht so. Balance nervt – nicht nur weil Balance ein Modewort  geworden ist, sondern weil sich dahinter eine fiese Botschaft verbirgt: Ja du kannst alles haben, du kannst alles schaffen. Du mußt nur die richtige Balance haben.

Dahinter versteckt sich ein perfektionistisches Antreibersystem, dem wir gefälligst gerecht werden sollen: Karriere machen, den Alltag organisieren,  die Kinder erfolgreich ins Leben schicken, etwas für die Sinne tun, die Traumfigur haben,  sportliche Höchstleistungen bringen, ständige Erreichbarkeit - vom Geist getrieben, immer noch besser zu werden. Wenn wir dem allerdings gerecht werden wollen, müßte der Tag 72 Stunden haben. Da dem nicht so ist, sollten wir uns womöglich noch mehr anstrengen. Sollen uns ständig an Zielen orientieren, die wir nicht erreichen können. Genau das bringt uns aus der Balance. Unser inneres Antreibersystem sagt uns ständig: es ist nie genug, ich muß mehr machen. Warum machen wir das? Vielleicht aus Sehnsucht, allem gerecht werden zu wollen. Möglicherweise um nach außen anerkannt und wertvoll zu sein, einer öffentlichen Erwartungshaltung gerecht zu werden. Die andern schaffens doch auch – nur ich nicht? Geht nicht. Doch seien wir ehrlich, es ist nicht zu schaffen. Wir müssen uns entscheiden – dieses oder jenes und nicht: dieses und jenes. Wir sollten das Balance-Gelaber in der Werbung und in den Medien hinterfragen – erkennen, dass wir von einem gnadenlosen Antreibersystem von außen gesteuert werden, das perfekt unsere Sehnsüchte bedient. Unter diesem intensiven äußeren Einfluss können wir nicht allem gerecht werden. Wir müssen uns im Klaren sein, dass es um einen hohen Preis geht: Stress, Angst, Frustration, Erschöpfung, Burn Out... -  gefühlt durch eine ständige innere Zerrissenheit und Ausgebranntsein. ... Vielleicht macht es Sinn, Prioritäten zu setzen oder einfach mal unzufrieden mit sich zu sein - und die Unzufriedenheit zu akzeptieren. Der von mir sehr geschätzte Kollege Gunther Schmidt hat dazu den Begriff der "Metabalance" gesprägt: der Zustand zwischen Zufriedenheit und Unzufriedenheit - die Einsicht, wir können nicht allem gerecht werden.

Buchtipp: Macht was ihr Liebt! ; Anja Förster, Peter Kreuz; 2015


Über den Autor

Meine wichtigsten Charakterzüge:
Empathie, Authentizität, Verlässlichkeit, Wertschätzung und Offenheit für alles Neue.

Meiner Arbeit als Coach liegt das Selbstverständnis zugrunde, dass der Mensch mit allen wichtigen Fähigkeiten ausgestattet ist, man muß sie nur aktivieren.

Reutlingen – Stuttgart – München