Blog zum Perspektivenwechsel

03.12.2014

Das Spiel mit der Schuldverschiebungsstrategie

„Es sind nicht Ihre Kinder, die Ihre Karriere gebremst haben, es ist Ihr Ehemann.“ …aus einer Studie der Harvard Business School.

Das Praktische an Studien ist: dass man nur lange genug suchen muss, um eine zu finden, die das eigene Argumentationsgerüst stützt und dem eigenen Ego Erleichterung verschafft. Es ist zu einem interessanten Symptom unserer Gesellschaft geworden, dass der Mensch für sein Handeln und die daraus sich ergebenden Konsequenzen offenbar nicht mehr selbst verantwortlich ist: Mein Partner ist schuld! Meine Eltern haben mir zu wenig Liebe gegeben, deshalb bin ich beziehungsunfähig! Meine Vorfahren hatten schon diesen Gendefekt – daher bin ich unglücklich! Nicht umsonst läuft das Lebenshilfe- und Ratgebergeschäft, das für jedes Problem ein Erklärungsmodell parat hält, wie geschmiert. Man könnte in dieser Schuldverschiebungsstrategie einen natürlichen Abwehrmechanismus sehen: Bloß keine Verantwortung übernehmen für das eigene Handeln. Ein Blick in die Führungsetagen von großen Unternehmen und in die Politik zeigt diesbezüglich ein Bild von Hilflosigkeit: Mangels Verantwortungsbereitschaft von Führungskräften und Politikern hat sich eine gut verdienende Beratungskultur um Mc Kinsey, Roland Berger etc. – etabliert. Unter Einsatz von gigantischen Summen - u.a. an Steuergeldern -  wird die Verantwortlichkeit weiterdeligiert, weil man sich selbst nicht getraut nachzudenken.

Doch die Tradition der Schuldverschiebungsstrategie reicht weit zurück, nämlich bis zu Adam und Eva: Adam wälzt die Verantwortung auf Eva ab. Eva behauptet die Schlange sei schuld. Im Grunde ergeht es uns nicht anders als Adam und Eva. Warum nicht einfach mal zugeben, dass etwas schiefgegangen ist? Möglicherweise auch mal einsehen, dass das gekonnte Scheitern oder irren zur hohen Lebenskunst gehört. Möglicherweise ließe sich viel Burnout und Depression vermeiden, wenn sich authentische Verantwortlichkeit wieder als Wert in der Gesellschaft etablieren würde.


Über den Autor

Meine wichtigsten Charakterzüge:
Empathie, Authentizität, Verlässlichkeit, Wertschätzung und Offenheit für alles Neue.

Meiner Arbeit als Coach liegt das Selbstverständnis zugrunde, dass der Mensch mit allen wichtigen Fähigkeiten ausgestattet ist, man muß sie nur aktivieren.

Reutlingen – Stuttgart – München