Blog zum Perspektivenwechsel

02.05.2014

Die Angst vor der Angst

Kennen Sie das Gefühl, wenn die Angst in Ihnen hochkriecht? Die Angst vor einer schlimmen Krankheit? Vor Prüfungen, Misserfolg, Mobbing - vor Verlust (Partner, Kinder, Job, Schönheit...)? Angst lauert überall, obwohl wir in der westlichen Welt medizinisch besser versorgt und finanziell abgesicherter leben als irgendeine Generation zuvor. Trotzdem ist unsere Gesellschaft angstbesetzt. Angst hat ihre ganz eigene Energie. Sie kann unseren gesunden Menschenverstand lähmen und uns in einen Strudel kontraproduktiver Spekulationen stürzen. Beispiel: Sie entdecken bei Ihrer morgendlichen Dusche einen verfärbten Punkt auf Ihrer Haut. Sie beginnen sofort mit den schlimmst möglichen Diagnosen – stellen sich die furchtbarsten Behandlungen vor.

Als Sie aus der Dusche treten, erleben Sie im Geist vielleicht bereits die Nebenwirkungen von Chemotherapie. Der Stressmacher kann erbarmungslos sein. Tatsächlich berichten Ärzte, dass Angststörungen auf dem Vormarsch sind. Die Fallzahlen steigen, die Symptome werden stärker, nicht nur unter Deutschen - weltweit bekannt als "German-Angst". Es gibt bereits ein eigenes Wort für dieses Phänomen: Angstepidemie. Es gibt Menschen, die gar nicht mehr wissen wovor sie Angst haben - sie haben einfach nur ANGST. Angst hat auch die fatale Tendenz, sich auszubreiten, wenn man sie nicht stoppt. Sie ist auf unverschämte Weise ungreifbar. Nie hält sie sich bei dem auf, was gerade ist - immer lenkt sie unsere Aufmerksamkeit auf das Unvorhersehbare, das Was-wäre-Wenn... Angst ist eines der ältesten Gefühle der Welt – sie ist allerdings auch  notwendig fürs Überleben. Angst kann ein guter Ratgeber sein:

"Wer sich vor nichts fürchtet, der wird tollkühn", wußte schon Aristoteles. Wenn wir uns den Rahmen jedoch zu eng stecken und jedes Risiko vermeiden, entwickeln wir uns nicht weiter – das Leben stagniert.

Woher kommt die Angst?

Die Ursachen lassen sich nicht wie in einem Kochrezept aufzählen. Jeder hat Gründe, die sich aus Erlebnissen seiner einzigartigen Lebensgeschichte ergeben. Wenn jemand nach einem Fahrradunfall nicht mehr auf den Drahtesel steigt, oder nach einer traumatischen Begegnung mit einem Hund - einen großen Bogen um Hunde macht, ist das zu verstehen. Doch solche Verhaltensweisen helfen dem Betroffenen nicht weiter - seine Ängste werden trotzdem bleiben. Das Kardinalproblem bei Ängststörungen ist, dass der Betroffene, oder vielmehr sein Bewußtsein und Wille, keinen Zugriff auf die tieferen Gehirnareale hat, aus denen die Angst gespeist wird. Doch das muß nicht so bleiben.

Wie wird man sie los?

Es geht nicht darum, Angstfreiheit zu erzeugen, sondern um das Gegenteil. Man muß Angst zulassen. Angst kann bearbeitet werden, indem man sich mit ihr konfrontiert – sich der Angst stellt – sich in die Situation begibt. Die Angstattacken nochmal bewusst durchlebt. Die Angst erreicht dann zwar einen Höhepunkt, flacht dann aber wieder ab - auch die körperlichen Symptome werden deutlich abnehmen. Hat man die Angst einige Male durchlebt, gewöhnt man sich langsam daran – bis man davon frei wird. Wenn Sie dem Stressmacher Angst erstmals gegenüberstehen, mag er groß und unheimlich aussehen, doch wenn Sie ihn aus einer anderen Perspektive, anderer Entfernung ansehen, erkennen Sie, wie unbedeutend er in Wirklichkeit ist.

Die Auseinandersetzung mit der Angst kann die eigenen Grenzen neu zu definieren, um dadurch neue Wege zu beschreiten.


Über den Autor

Meine wichtigsten Charakterzüge:
Empathie, Authentizität, Verlässlichkeit, Wertschätzung und Offenheit für alles Neue.

Meiner Arbeit als Coach liegt das Selbstverständnis zugrunde, dass der Mensch mit allen wichtigen Fähigkeiten ausgestattet ist, man muß sie nur aktivieren.

Reutlingen – Stuttgart – München