2017

02.04.2017

Zuhören

Der Schriftsteller Ernest Hemingway sagte einmal, dass die meisten Menschen nie zuhören würden. Möglicherweise ist es Ihnen auch schon so ergangen, dass Sie während eines Gesprächs mit ihren Gedanken einfach abtauchen, ganz woanders sind, vielleicht überlegen Sie die nächste Frage, die Sie Ihrem GesprächspartnerIn stellen, oder Sie denken daran, was heute noch zu erledigen ist. Dabei halten sich Umfragen zufolge 96 Prozent der Erwachsenen für gute Zuhörer. Aber Studien zeigen, dass wir uns nur ein Viertel von dem, was wir hören, auch merken können. Dummerweise haben Gesprächspartner gelegentlich den Eindruck, dass noch weniger des Gesagten ankommt.

Doch den aktiven Zuhörer gibt es noch. Dieser Typ schenkt dem Gegenüber volle Aufmerksamkeit. Aktive Zuhörer stellen ihren inneren Monolog ab, achten auf Tonlagen, Körpersprache und Wortwahl. Sie stellen Fragen, die ihnen helfen, ihr Gegenüber wirklich zu verstehen. Aktive Zuhörer behalten Informationen und deren Bedeutung oft sehr lange und nutzen dieses Wissen, um die Kommunikationswege offenzuhalten. Ihr soziales Umfeld profitiert von diesem Einsatz von Zeit und Energie.Der Harvard-Professor William Ury hat untersucht, wie sich gutes Zuhören vorteilhaft in Verhandlungssituationen auswirkt. Demnach kommen gute Zuhörer schneller und effizienter zu einem guten Verhandlungserfolg als Menschen, die sich vor allem auf ihre eigenen Argumente fokussieren. Erst wenn man versteht, was der Gegenüber denkt und warum, lohnt sich der Versuch, den anderen umzustimmen. Tiefes Zuhören bedeutet aber auch, dass wir nicht urteilen und bewerten, sondern das Gesagte, soweit es uns möglich ist, ohne Vorurteil anzuhören. 
Aktuelle Studien von Neurowissenschaftlern der Universität Harvard zeigen, dass beim Reden die gleichen Gehirnareale aktiviert werden wie bei den existenziellen Themen Nahrung, Geld und Sex. Wissenschaftlich betrachtet gibt es anscheinend kaum etwas Befriedigenderes für unser Gehirn, als sich verbal über den letzten Urlaub, Hobbys oder die eigenen Kinder auszulassen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wenn wir uns nicht aktiv zurücknehmen, werden wir automatisch versuchen, jede Unterhaltung zu dominieren, was für gelingende Kommunikation nicht unbedingt förderlich ist.

Über den Autor

Meine wichtigsten Charakterzüge:
Empathie, Authentizität, Verlässlichkeit, Wertschätzung und Offenheit für alles Neue.

Meiner Arbeit als Coach liegt das Selbstverständnis zugrunde, dass der Mensch mit allen wichtigen Fähigkeiten ausgestattet ist, man muß sie nur aktivieren.

Reutlingen – Stuttgart – München